Wenn die Masterminds des deutschen Folk – Rocks zum Tanz aufrufen, lassen sich die wahren Freunde der altertümlichen Musik nicht zweimal bitten. Gestern waren SCHANDMAUL beim ZMF zu Gast und sorgten für ein ausverkauftes und brechend volles Spiegelzelt. Eine Location die mit ihrer Dekoration, dem Charme den sie ausstrahlt, wie auf die Band zugeschnitten wirkt. Die perfekten Voraussetzungen also, für einen gelungenen Konzertabend. Als das Wetter gegen 21 Uhr langsam etwas trüber und kälter wurde, hatten sich alle Fans am Ort des Geschehens eingefunden und warteten mit einem freudestrahlenden Lächeln im Gesicht auf den Beginn des langersehnten Auftritts.
Mit dem Song „Wolfsmensch“ begann das Sextett um Sänger Thomas Lindner eine Setlist die keine Wünsche offen lassen sollte. Bis zum Ende des Abends sollte das Publikum mit insgesamt 25 Songs verwöhnt werden. Und man spürte förmlich, wie sehr sich die überwiegend jungen Zuschauer aber auch zahlreich anwesenden Musikliebhaber der älteren Semester, über dieses Feuerwerk an genial ausgewählten Songs erfreuten, zusammengestellt aus dem neuesten Silberling „Anderswelt“ , sowie aus allen bisher erschienen Platten. Allerdings beeindruckte nicht nur die Setlist, sondern vor allem die große Auswahl an verschiedenen Instrumenten. So kamen neben den typischen Folkinstrumenten Akkordeon und Geige auch eine Drehleier, Schalmeien, Flöten und selbst ein Dudelsack zum Einsatz.
Aber was bringt eine solch ausgeprägte Vielseitigkeit ohne das richtige Publikum? Richtig geraten, rein gar nichts. Für mich eines der Höhepunkte, eben diese Menschschar die das Spiegelzelt im wahrsten Sinne des Wortes zum beben brachte. Sprang die ganze Meute in die Luft und landete wieder auf dem Boden, hatte man ein ums andere Mal das Gefühl, die Holzdielen könnten der Last nicht standhalten. Doch sie hielten, genau wie die vorherrschende und atemberaubend gute Stimmung. Wie könnte sie auch anders bei einer derart gelungenen Show. Nicht nur die dargebotene Kunst überzeugte auf ganzer Linie, auch für unterhaltsames Entertainment war gesorgt. Die mit viel Witz vorgetragenen Anekdoten und kleinen Geschichten, des mit klarer Stimme singenden Thomas Lindner, sorgten für eine familiäre Atmosphäre unter den kollektiv so verschwitzten Zuschauern, dass die Band einige Wasserflaschen unters Volk bringen musste.
Nachdem die Band nach „Letzter Tanz“ kurz hinter der Bühne verschwand, um kurz darauf die erste Zugabe zu spielen, sollte bei manchem Beobachter Gänsehaut einsetzen. Denn als das Publikum am Ende der Zugabe zum Refrain des eben gespielten „Dein Anblick“ einstimmte, hatten Schandmaul keine andere Wahl als noch einmal die Bühne zu stürmen. Mit „Prinzessin“ sollte dann aber das endgültige Ende des Konzerts bevorstehen, nicht aber des Abends, denn die Band gesellte sich später noch zur gemütlichen Bierrunde mit den Fans. Nach zwei Stunden grandioser Unterhaltung und viel viel Schweiß, war die angenehme Kühle des späten Abends ein wahrer Segen.
Zum Schluss sei gesagt: Ich kannte diese Band nicht, hatte nur ein paar Schnipsel ihrer Musik gehört, wurde live beeindruckt wie lange nicht mehr und konnte nicht anders als mir noch am selben Abend das Album „Anderswelt“ zu krallen – Die CD läuft und läuft und….
Bildergalerie: Schandmaul beim ZMF
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