vom 10. Juli 2010 | 0 Kommentare

Jan Josef Liefers

>> Ein Artikel von Martin Benedix für Regiomusik.de

Der fremde von drüben.
Jan Josef Liefers spielt und singt Lieder aus seiner DDR Jugend.

 

Es war sicherlich ein kleines Wagnis, was Jan Josef Liefers da am gestrigen Abend versuchte. Weitab von der alten Heimat, sozusagen im tiefen Westen, wo man Dank des eisernen Vorhangs nicht allzu viel vom Alltag in der DDR mitbekommen konnte, wurden Gitarren und Ostlieder ausgepackt.

Fernab von Plattitüde a la: „Du kommst aus dem Osten? Möchtest du eine Banane?“, ermöglichte Liefers den Einblick in seine ganz persönliche Geschichte jener Zeit, in der Kultur genauso durch die Obrigkeit kontrolliert wurde, wie alles andere eigentlich auch. Wer sich ein bisschen auskennt dürfte gemerkt haben, dass hinter Liefers persönlichen Geschichten auch irgendwie die Kollektivgeschichte stand. Die stand auch eher im Vordergrund und wurde begleitet von den Liedern seiner Jugend von Bands wie natürlich den Puhdys, Karat oder Silly. Musikalisch eindrucksvoll war die Tatsache, dass da nicht einfach nur im Stile dieser Bands gerockt wurde, sondern die Lieder doch in die „Neuzeit“ transferiert erschienen, also alles andere als angestaubt waren. Das lag zum Einen natürlich an den Liedern, aber auch an Liefers und seiner Band Oblivion.

 

Einprägsam war auch der Rat, was zu tun ist, sollte zufällig einmal urplötzliche eine Atom-Bombe vom Himmel fallen. Laut Liefers Lehrer sollte man sich also auf den Boden werfen, mit den Beinen in Richtung des Epizentrums der Bombe. Überleben garantiert.

 

Das waren die kleinen lustigen Geschichten, die aber ein doch ernstes und wichtiges Thema umschrieben, den Alltag in einer Diktatur, die ja noch nicht so lang her ist. Musikalisch war der Abend daher auch keine große Überraschung. Solide, aber nicht überragend, doch darum ging es ja auch nicht. Es ging um das „nicht-vergessen“ auch dieses Abschnittes der deutschen Geschichte, um das Lebensgefühl in jenem System, dass von Freiburg aus so weit weg erscheint. Schon allein deswegen sind solche Abende so sehr wichtig, vielleicht sogar wichtiger als Oscar-preisgekrönte Filme.

Vielen Dank, Jan Josef Liefers!